vWD
Nachweis der „von Willebrand Erkrankung“ (vWD) mittels DNA-Test
Von Christina Steffen, Dark Angels Deutsche Pinscher, Dillingen / Saar
und Annerose Kaiser, Deutsche Pinscher von Calpunia, Wolfertschwenden

Die „von Willebrand Erkrankung“ (vWD) ist bei Hunden die häufigste vererbte Blutgerinnungsstörung von unterschiedlichem Schweregrad, die aus einem defekten oder gar fehlenden „von Willebrand Faktor“ (vWF) im Blut resultiert. Der vWF ist ein wichtiger Faktor der Blutgerinnung und ist dafür zuständig, dass sich bei einer Verletzung der Blutgefäßwand, durch Ansammlung und Verklebung von Blutplättchen (Thrombozyten) untereinander und an der Zellwand, die entstandene Wunde schnell wieder verschließt. Ein fehlender oder gar defekter vWF hat zur Folge, dass betroffene Tiere bei Verletzungen sehr lange nachbluten und u.U. verbluten können.
Die Blutungen betreffen Schleimhautoberflächen, verschlimmern sich durch physischen und psychischen Stress und andere Krankheiten. Typische Anzeichen sind: Wiederholte Magen-Darm-Blutungen mit oder ohne Durchfall, Nasenbluten, Zahnfleischbluten, verlängerte Blutung bei der Läufigkeit, Lahmheiten durch Blutungen in den Gelenken, Hämatome auf der Körperoberfläche, exzessive Blutungen von zu kurz geschnittenen Nägeln, nach dem Kupieren der Rute, dem entfernen der Wolfskrallen oder nach Operationen.
Man unterscheidet drei verschiedene Formen der „von Willebrand Erkrankung“ (Typ I, Typ II und Typ III). Typ III ist die schwerste Form dieser Erkrankung, während Typ I die milde und auch häufigste Form darstellt. Nach derzeitigem Stand der Forschung ist der Deutsche Pinscher wie auch der Dobermann und Manchester Terrier vom Typ I, der milden Form der „von Willebrand Erkrankung“ betroffen.
Der Typ I der „von Willebrand Erkrankung“ wird laut derzeit aktueller Literatur und Forschung autosomal dominant mit extrem variabler Penetranz und Ausprägung vererbt d. h. der Hund kann entweder homozygot für das intakte Gen sprich erbgesund (keines der beiden Allele ist betroffen), heterozygot (mischerbig, eines der beiden Allele ist betroffen) oder homozygot für das mutierte Gen sprich erbkrank (beide Allele sind betroffen) sein.
Homozygot (reinerbig) für das intakte Gen betroffene Hunde zeigen keine klinischen Symptome und geben an ihre Nachkommen nur das intakte Gen weiter.
Heterozygot (mischerbig) von der Mutation betroffene Hunde können in seltenen Fällen, meist erst in höherem Alter eine verstärkte Blutungsneigung zeigen, können aber auch klinisch unauffällig sein. Sie geben das betroffene Allel mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % an ihre Nachkommen weiter.
Homozygot (reinerbig) für das mutierte Gen betroffene Hunde sind in der Lage, maximal 10-20 % des normalen „von Willebrand Faktors“ zu produzieren. Je nach produzierter Menge kann der Schweregrad der Erkrankung, auch innerhalb einer Familie, extrem variieren. Dabei kann das klinische Bild von leichten Blutungen bis zu lebensbedrohlichen Blutverlusten reichen. Hier spielen neben der Menge an vWF auch weitere Faktoren eine Rolle. Diese Hunde geben das defekte Gen an ihre Nachkommen weiter.
Bislang wurden Hunde mit Hilfe eines vWF-Antigentest (ELISA) untersucht. Mit diesem Test kann jedoch nur die Konzentration nachgewiesen werden, ohne die genetischen Anlagen (Genotyp) zu identifizieren. Dieser Test hat eine gewisse Schwankungsbreite und kann durch verschiedene Faktoren wie Alter, Impfung, Läufigkeit, Trächtigkeit, Laktation, Krankheit, Stress sowie weiteren Faktoren beeinflusst werden.
Durch die Entdeckung der genetischen Ursache der „von Willebrand Erkrankung“ beim Deutschen Pinscher konnte ein DNA-Test entwickelt werden. Mit dem neuen DNA-Test, den das Labor LABOKLIN in Bad Kissingen seit kurzem anbietet, kann die für die Erkrankung auslösende Mutation sichtbar gemacht und der Genotyp sicher identifiziert werden. Dazu wird aus einer Blutprobe die DNA, d. h. das Erbgut des Hundes, isoliert. Mittels der sog. Polymerase-Kettenreaktion wird dann das betroffene Gen millionenfach vervielfältigt, um es leichter analysieren zu können. Anschließend wird mit Hilfe eines sog. „Genetic Analyzers“ die Erbsequenz automatisch gelesen.
Der neue DNA-Test kann in jedem Alter durchgeführt werden. Das Resultat ist sicher und lässt sich nicht wie beim vWF-Antigentest durch verschiedene Faktoren beeinflussen.
Mittels der Information, die der DNA-Test bietet, sind die Züchter des Deutschen Pinschers nun in der Lage, durch gezielten Einsatz getesteter Zuchthunde, die „von Willebrand Erkrankung“ unter Kontrolle zu bekommen und aus der Population zu verdrängen, noch bevor sie ein ernsthaftes Problem darstellt.
Der DNA-Test führt zu 3 möglichen Test-Ergebnissen:
Sollte ein Hund durch den Gentest als Anlageträger für vWD identifiziert worden sein, so bedeutet dies keinesfalls einen Ausschluß aus der Zucht. Durch den DNA-Test besteht die Möglichkeit durch gezielte Zuchtplanung, d.h. durch eine Verpaarung mit einem erbgesunden Tier, die Genvielfalt sog. Anlageträger zu erhalten und nur die als wiederum frei getesteten Nachkommen dieser Anpaarungen für die Weiterzucht einzusetzen. Durch diese Selektion kann einer weiteren Einengung der genetischen Basis in einer kleinen Population, wie dies beim Deutschen Pinscher der Fall ist, entgegen gewirkt werden. Ziel ist auch hier, die Befallsrate der Anlageträger für vWD zu minimieren.
Was die Test-Ergebnisse für die weitere Zuchtplanung bedeuten können, wird in der nachfolgenden Tabelle, sowie den dazugehörigen farblich gekennzeichneten Beschreibungen ersichtlich.
|
Tabelle 1: Übersicht der mögl. Zuchtplanung und die daraus resultierenden Genotypen
Frei: Homozygot für das intakte Gen = Erbgesund. Für die weitere Zuchtverwendung bedeutet dies keinerlei Einschränkungen.
Anlageträger: Heterozygot für das defekte Gen = Mischerbig (ein Allel betroffen, ein Allel gesund). Bei einer weiteren Zuchtverwendung muss unbedingt darauf geachtet werden, dass Anlageträger nicht mit einem weiteren Anlageträger oder einem nicht getestetem Hund verpaart werden.
Merkmalsträger: Homozygot für das mutierte Gen = Erbkrank. Diese Hunde sollten in der Zucht keine Verwendung finden und ausgeschlossen werden.
Zuchtpaare mit diesem Ergebnis: Ideales Zuchtpaar, da alle Nachkommen homozygot frei sind.
Zuchtpaare mit diesem Ergebnis: Es werden keine Merkmalsträger geboren. Je nach Verpaarung werden einige Nachkommen Frei oder auch Anlageträger sein. Anm.: Eine Verpaarung von/mit Merkmalsträgern sollte generell keine Verwendung finden.
Zuchtpaare mit diesem Ergebnis: Nicht für die Zucht empfohlen.
Zuchtpaare mit diesem Ergebnis: Keinesfalls für die Zucht empfohlen. Alle Nach-kommen sind homozygot für das defekte Gen = Erbkrank. Anm.: Auch in diesem Fall sollte eine Verpaarung von/mit Merkmalsträgern generell keine Verwendung finden.
Für den DNA-Test wird ca. 0,5 – 1 ml EDTA-Blut benötigt. Unter Umständen ist auch die Einsendung eines sog. Backenabstriches möglich. Der Backenabstrich muss mit bei LABOKLIN erhältlichen Spezialbürsten durchgeführt werden. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass der Abstrich nicht zu zaghaft durchgeführt wird, da sonst nicht ausreichend Material für die Untersuchung zur Verfügung steht. Es empfiehlt sich, den Abstrich vor der Versendung eine ausreichende Zeit (mind. 2 Stunden, am besten jedoch über Nacht) trocknen zu lassen. Zur Einsendung der Proben kann der auf der Homepage von Laboklin unter www.laboklin.de (Punkt Tiergenetik, Erbkrankheiten) bzw. direkt unter www.laboklin.de/pdf/de/tiergenetik/ua_genetik_d.pdf erhältliche Unter-suchungsantrag für Erbkrankheiten verwendet werden. Die Spezialbürsten können per eMail unter labogen@laboklin.de angefordert werden.
Die Proben einschl. Untersuchungsantrag sind einzusenden an:
LABOKLIN GmbH und Co.KG
z. H. Frau Dr. Langbein-Detsch
Prinzregentenstr. 3
D-97688 Bad Kissingen
Hinweis in eigener Sache:
Ich bedanke mich bei Frau Dr. Langbein-Detsch (LABOKLIN) - die ich für die Forschung nach einem DNA-Test für vWD beim Deutschen Pinscher gewinnen konnte – für ihre Arbeit und Unterstützung, sowie bei allen Personen, die mich in den letzten Wochen bei diesem Forschungsprojekt unterstützt haben. Ein besonderer Dank geht diesbezüglich an Frau Annerose Kaiser, Deutsche Pinscher von Calpunia, die mich mit ihrem unermüdlichen Engagement unterstützt und tatkräftig zur Seite gestanden hat.
Weitere Infos zum Thema vWD beim Deutschen Pinscher unter:
1. Frau Dr. Langbein-Detsch, LABOKLIN
Tel. (0971) 72020 Fax: (0971) 7236564 718
2. Frau Christina Steffen, Zwinger Dark Angels
Tel. (06831) 7641582 Fax: (06831) 7641584
3. Frau Annerose Kaiser, Zwinger von Calpunia
Tel. (08334) 7148
